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  Depressionen
                                            - was sind Depressionen und was kann man dagegen tun?

Mehr zur Angst

Viele Angstreaktionen werden nicht nur durch die Biologie des Patienten und seine soziale Herkunft vermittelt, sie können auch je nach kultureller Herkunft unterschiedlich sein. Heutzutage hört man immer noch häufig den Satz "ein Mann hat keine Angst". So wird von außen Druck auf Männer aufgebaut. Frauen dagegen steht es durchaus zu, Angst zu haben.

Genauso kann Angst ansteckend sein. In kleinen, begrenzten Gesellschaften zeigte sich im Laufe der Zeit immer wieder das Phänomen "Massenangst", also die Übertragung von Angstsymptomen auf andere.

In einer Mädchenschule in Großbritannien untersuchte man 500 Schülerinnen auf die Übertragbarkeit von Angstsymptomen. Es wurde untersucht, ob sich Symptome wie Kopfschmerzen, Frösteln, Rückenschmerzen, Unterleibsschmerzen, Schwindel, Hyperventilation und Hitzewallungen übertragen können.
Dazu erfasste man zuerst die Schülerinnen, die einen gewissen sozialen Status hatten und unter den Symptomen litten. Nach einiger Zeit stellte man fest, daß über 60 % deren Mitschülerinnen ebenfalls solche Symptome zeigten.

Ein anderes gutes Beispiel ist aus Kanada, wo in einem Stadion durch eine Durchsage davor gewarnt wurde, keine Getränke eines bestimmten Automaten zu sich zu nehmen. Vier Zuschauer hätten nach einem solchen Konsum erbrechen müssen, da die Getränke wahrscheinlich nicht mehr gut waren.

Nach dieser Durchsage meldeten sich fast 200 Zuschauer, denen schlecht wurde, die erbrechen mussten und die Schwindelanfälle zeigten.

Nach einer genaueren Untersuchung stellte man jedoch fest, daß sie keinerlei Vergiftungserscheinungen hatten. Allein die Vorstellung also bewirkte bei ihnen das Auslösen eines Angstverhaltens, welches sich auch stark körperlich zeigte.

 

Jede Angst hat etwas mit unserer Existenz zu tun

Angst hat auch immer etwas mit der eigenen Existenz zu tun.

So gibt es Ängste davor:

  • Etwas zu verlieren, zum Beispiel den Beruf, materielle Dinge, Prestige, Angehörige, die Liebe anderer, die eigene Gesundheit, den Verstand, die körperliche Kraft, die Schönheit, Macht oder das Leben selbst. Diese Verlustängste zeigen uns an, was uns eigentlich am wichtigsten ist.

  • Zu sterben. Diese Angst zeigt an, daß wir unsere Erwartungen noch nicht erfüllt sehen, zum Beispiel bei unseren Kindern oder der Karriere, oder daß wir der Meinung sind, unser Leben noch nicht genug erfüllt zu haben, zum Beispiel daß persönliche Lebensziele noch nicht erreicht wurden oder noch nicht eine ausreichende Partnerschaft zu einem anderen Menschen bestand.

  • Dem Tod von Angehörigen und Freunden. Diese Angst macht uns klar, daß wir diese Menschen benötigen, um Geborgenheit zu bekommen.

  • Zuneigung zu verlieren, die uns darauf hinweist, daß wir eine solche Zuneigung für unser Selbstbewusstsein brauchen und daß unser Selbstbewusstsein von Zuneigung abhängig ist. Befürchtet wird die soziale Isolation und der Verlust von Prestige.

  • Zu versagen, was darauf hinweist, daß sich der Betroffene stark an der Leistung orientiert.

  • Vor Entscheidungen. Diese Ängste weisen darauf hin, daß der Betroffene Angst davor hat, Fehler zu machen und sich dadurch seinen eigenen Weg zu verbauen.

  • Selbst zu sterben. Dabei besteht die Angst nicht vor dem Tod selbst, sondern davor, daß man die sich selbst gesetzten Ziele nie mehr erreichen kann.

  • Daß sich in der Zukunft alles ändert und daß das Bestehende keine Gültigkeit mehr hat. Dies ist in unserer Zeit eine sehr häufige Angstform.


Man sieht also, daß hinter jeder Angst allgemeine menschliche Probleme stehen, die man im Laufe des Lebens durchleben muss. Jeder verliert im Laufe seines Lebens seine Eltern, Freunde, im schlimmsten Fall auch Kinder, jeder von uns erlebt unglückliche Partnerschaften oder verliert seinen Arbeitsplatz. Während manche Menschen es bereits von Kindheit an erlernen, solche Ängste zu unterdrücken, zum Beispiel durch ein behütetes Elternhaus oder ausreichend positive Erlebnisse, so können andere Menschen von Kindheit an erlernen, daß diese Gefahren unabdingbar sind und sie davor eine Angst aufbauen. Meist ist dies dann der Grundstein für eine Angsterkrankung.

 

Angst kann auch Spaß machen

Die Angst wird nicht immer als unangenehm empfunden, es gibt die Angst auch in der lustvollen Variante. Jeder von uns kennt das Erschauern bei einem Horrorfilm, bei Krimis, bei Extremsportarten oder auch bei Spielen.

Kinder lieben gruselige Märchen und lassen sie sich von ihren Eltern vorlesen. Was auch hier einen erwünschten Angstschauer auslöst, ist ein prima Training für die Kinder, mit der Angst umzugehen.

Viele Menschen suchen sich bewusst angstauslösende Situationen, um den Kitzel der Angst zu spüren. Löst sich diese Angst dann nach einiger Zeit auf, so empfindet man ein angenehmes Gefühl. Der Mensch an sich fürchtet sich gerne einmal, besonders natürlich dann, wenn er weiß, daß zum Schluss alles wieder gut wird.

Therapeutisch eingesetzt können solche kleinen Angstsituationen Angstpatienten dabei helfen, mit Ängsten umzugehen und sie letztendlich zu überwinden.

 

Angst als Reaktion auf Stress

Wahrscheinlich jeder von uns gerät in seinem Leben mindestens einmal in eine starke seelische oder körperliche Belastung, was sich letztendlich als Stress äußert. Jeder von uns reagiert aber anders auf einen solchen Stress. Manche von uns bekommen Kopfschmerzen, können nicht mehr schlafen, bekommen Probleme mit dem Magen, dem Darm oder dem Kreislaufsystem, einige flüchten sich in Alkohol.

Jedoch auch Ängste können durch Stress ausgelöst werden.

Häufig passiert es zum Beispiel, daß jemand eine plötzliche Panikattacke bekommt, für die es eigentlich keine Ursache gibt. Sieht man jedoch genauer hin, so könnte man bemerken, daß der Betroffene im Moment eine sehr stressige Zeit durchlebt. Die Panikattacke ist dann also quasi ein Ventil für die derzeit herrschenden Probleme, weniger das Resultat einer Angst.

Oftmals ist Stress, der ausgelöst wird durch viele einzelne Lebensprobleme, die Ursache für Panik. Übrigens gilt Stress auch immer häufiger als Auslöser einer Depression.

Die Auswirkungen von Stress

Wird der Mensch Stress ausgesetzt, so reagiert er meist nach einem bestimmten Schema darauf:

Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt

Nach der berühmten Schrecksekunde, die unser Körper dafür benutzt, tief einzuatmen und so genug Sauerstoff zu bekommen, Kräfte zu sammeln und die Gefahr einzuschätzen, schaltet unser Körper um in einen Flucht- oder Kampfmodus. Der Körper wird so auf eine Höchstleistung eingestellt. Das Herz und das Kreislaufsystem werden zu Höchstleistungen stimuliert, die Atmung, die Muskulatur und die Aufmerksamkeit werden in ihren Leistungen erhöht und gleichzeitig werden einige Vorgänge in unserem Körper blockiert, so zum Beispiel die Verdauung, die Immunabwehr oder der Appetit auf Essen und Trinken. Dieses Blockieren soll zusätzliche Energie für den Körper bereitstellen.

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, ist diese körperliche Reaktion auf Stress das typische Verhalten, welches unsere Urahnen zum Überleben benötigten. Sie konnten Gefahren allein durch Kampf oder durch Flucht begegnen. Dabei war es eben besonders wichtig, daß zu einem bestimmten Zeitpunkt möglichst viel körperliche Energie vorhanden war.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß diese körperliche Reaktion nicht nur bei einer tatsächlichen Gefahr auftritt, sondern auch bei einer vorgestellten Gefahr. Und gerade da liegt für Angstpatienten das Problem: Eine tatsächlich nicht vorhandene Gefahr wird ebenso empfunden wie eine real existierende Gefahr.

Erschöpfung nach der Alarmsituation

Hat man die Gefahr durch eine Flucht oder durch einen "Kampf" erfolgreich überwunden, so setzt eine Entspannungsreaktion unseres Körpers ein. Dies ist eine ganz normale Reaktion des Körpers, um sich von der körperlichen Höchstleistung, die man zur Bewältigung der Gefahr benötigte, wieder zu erholen.

Panikpatienten haben aber das Problem, daß die Gefahr ja eigentlich nie endet, das heißt, daß der Körper ständig in Alarmbereitschaft bleibt und niemals zur Erholung übergeht. Daraus entsteht dann ein dauerhafter Druck, der zu weiteren Panikreaktionen führt.

 

Angst durch Veränderungen im Leben

Unser Leben ist ständig im Wandel, das ist vollkommen normal. Durch die verschiedenen Herausforderungen im Leben reift der Mensch und lernt daraus. Allerdings können auch Situationen auftreten, die sehr kritisch sind, woraus sich psychische Erkrankungen bilden können, wenn sie nicht überwunden werden.

Oftmals sind Angststörungen die Folge einer Furcht vor Veränderungen. Der Betroffene bekommt eine Angst vor neuen Dingen oder Lebenssituationen, die er nicht bewältigen kann. So sieht er keine Möglichkeit, sich den neuen Situationen anzupassen. Eine solche kritische Situation kann zum Beispiel der Verlust des Arbeitsplatzes sein, der Verlust von Angehörigen oder eine gescheiterte Beziehung. Der Betroffene verliert dadurch das Vertrauen in die Zukunft und er sieht sich nicht in der Lage, diesen Neuanfang zu bewältigen. Er bekommt Angst davor, daß er auch in Zukunft weitere Verluste erleben wird, und er bekommt das Gefühl, sein Leben nicht mehr im Griff zu haben, also hilflos zu sein.

Manchmal bilden sich auch Depressionen dadurch. Die Betroffenen schaffen es nicht, mit einer bereits abgeschlossenen Lebensphase innerlich abzuschließen. Sie schaffen es nicht, sich der Zukunft zu stellen. Sie haben keine Kraft, loszulassen und Abschied zu nehmen. Aber gerade dieses Loslassen ist dazu notwendig, Neues anzufangen.

Gerade bei gescheiterten Beziehungen, einem finanziellen Ruin, dem Tod der Eltern oder eines anderen geliebten Menschen können solche Depressionen entstehen.


Auch Zwangsstörungen können dadurch entstehen. Die Betroffenen können sich nicht von der Vergangenheit lösen.

Die eigenen Fehler werden immer und immer wieder durchgekaut, so daß Neues nicht angegangen werden kann. Die Betroffenen ziehen sich in ihre vertraute Umgebung zurück, obwohl gerade diese vertraute Umgebung ihnen ziemlich schnell unerträglich wird. Sie schaffen es nicht, Neues in ihrem Leben zuzulassen. Sie versuchen, ihre vertraute Umgebung zu perfektionieren, was sich schließlich in einem zwanghaften Verhalten äußert. So wird zum Beispiel ständig geputzt, Schuhe werden peinlichst genau in Position gestellt, oder die Betroffenen verfallen in einen Waschzwang. Natürlich gibt es auch noch andere Zwangshandlungen, die wir hier nicht weiter auflisten wollen.

Dahinter steht meist der Gedanke, daß man keine Angst mehr haben wird, wenn alles perfekt ist.

Das Problem ist nur, daß niemals alles perfekt sein wird. So gerät der Betroffene in eine Spirale, die ihn immer weiter in die Angst hineinführt.

 

 

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